Dienstag, 20. September 2011

Ein Leben mit Zukunft?

Am vergangenen Wochenende fuhr ich mit Sabrina und Katharina in ein kleines Dorf, das per Bus zwei Stunden von Arequipa entfernt liegt. Dort besuchten wir, zusammen mit fünf weiteren Freiwilligen einer anderen Organisation, den Comedor. Anfangs spielten wir mit den Kindern auf der „Hauptstraße“, die nur aus Sand und Staub bestand und durch die zweimal am Tag ein Bus fährt.

   

Wir befanden uns auf 3900m Höhe, was ich deutlich spürte. Es war sehr kalt und ich hatte oft das Gefühl, sehr schwer Luft zu bekommen. Weit und breit war außer dem Dorf und den umliegenden Bergen nichts zu sehen und gleich neben den Häusern liefen viele Lamas frei herum, an die wir ziemlich nah herangehen konnten. Bis es Essen gab, hatten wir noch ein bisschen Zeit und nutzten diese, um zu einer Fläche zu gehen, die aus Salz bestand. Im Sommer befindet sich dort ein kleiner See, während dieser im Winter ausgetrocknet ist und das Salz zurückbleibt. In der Ferne konnten wir oft kleine Wirbelstürme sehen sowie Winde, die das Salz aufwirbelten.


Landschaft um das Dorf herum

Zurück im Comedor lernten wir mit den Kindern Englisch und aßen gemeinsam Kuchen, denn es wurde der Geburtstag der Kinder gefeiert (deshalb auch die bunten Nasen und die Masken).

aufgewirbeltes Salz

Bis jetzt konnte ich relativ gut mit der Armut von den Kindern hier umgehen, aber dort war ich etwas geschockt. Wir überlegten uns, was die Kinder wohl den ganzen Tag machten und was später aus ihnen werden wird. Ob sie ihr Leben lang in diesem Dorf bleiben, oder sie irgendwann in eine größere Stadt gehen werden. Außerdem fragten wir uns, von was die Leute dort lebten und wie viel sie von der Welt wissen.
Vor Peru sollten wir uns überlegen was Glück für uns ist. Nach langem Nachdenken, dachte ich mir, dass Glück für mich zum einen ist, überhaupt auf der Welt zu sein und leben zu können. Jetzt denke ich mir oft, dass dies nicht so ganz mit meinen Eindrücken hier zusammenpasst. Inzwischen ist für mich Glück eher, ein Leben mit Zukunft zu haben und würdig leben zu können.

Kinder auf der "Hauptstraße"
Ich finde es nicht fair, wenn sich Menschen überlegen müssen, was sie morgen zu essen haben, wie sie die Nacht verbringen, ohne zu erfrieren oder wie die Zukunft für sie aussieht und andere sich vor lauter Essen nicht entscheiden können oder sie sich den Kopf zerbrechen, ob sie zum Beispiel das Auto lieber in Rot oder Blau nehmen sollen
Kinder im Comedor
Es hat einfach sehr viel mit Glück zu tun, in eine Gesellschaft hineingeboren zu werden, der es „gut“ geht. Den ärmeren Menschen geht es ja nicht automatisch schlecht, aber für sie ist es viel schwieriger, gutbezahlte Arbeit zu finden und ihre Träume zu leben. Wie sollen sie aus solch einem Dorf herauskommen, wenn ihnen das Geld für die Busfahrt und Unterkunft fehlt? Wie soll ein talentierter Mensch in einem Dorf wie diesem entdeckt werden,  wenn dorthin kaum Menschen von außerhalb kommen? Mit Fragen wie diesen stieg ich in den Bus, der uns zurück nach Arequipa brachte. Ich hoffe so sehr, dass aus den Kindern etwas wird und sie ihre Träume verwirklichen können!

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