Dienstag, 20. September 2011

2 Monate

Als ich vor drei Jahren an einem Schüleraustausch nach Chile teilnahm, endete dieser schon nach zwei Monaten. Damals war ich froh, wieder nach Hause zu kommen, denn die Zeit dort kam mir ziemlich lang vor. Ich hatte oft Langeweile und war sehr stark von meiner Gastfamilie abhängig, weil ich nicht allein Bus fahren durfte und wenn mich niemand mit dem Auto wohin fahren konnte, saß ich daheim ohne Aufgaben herum.
Ankunft in Deutschland 2008

Jetzt bin ich schon seit zwei Monaten hier in Peru, wo vieles anders ist. Ich habe so viel Glück, bei einer so tollen Gastfamilie wohnen zu können. Ich bin unabhängig, habe im Gegensatz zu Chile mein eigenes Zimmer mit Bad und nie Langeweile. Morgens bis mittags bin ich in der Schule und unterrichte Englisch. Ich bin froh, dass die Kinder Geduld mit meinem Spanisch haben und mir helfen, wenn ich ein Wort nicht verstehe. Inzwischen kann ich die Farben und Zahlen auswendig und auch die Schüler wollen endlich etwas anderes lernen. Deshalb habe ich sie gestern eine kleine Englischarbeit schreiben lassen und habe mit englischen Redewendungen angefangen.
Nachmittags habe ich auch immer etwas zu tun, wie Wäsche (per Hand) waschen, aufräumen, einkaufen gehen, Unterricht vorbereiten, kochen… Dann gehe ich noch dreimal die Woche zum Salsa und treffe mich beinahe täglich mit Freunden. Zusammen gehen wir essen, ins Kino, in den Park, feiern… Ich bin so froh, dass ich hier meine Mädels hab und mich nie allein fühle! Mit den zwei kann ich jederzeit reden, feiern, reisen, neue Leute kennenlernen und und und!
Mir geht es sehr gut und bei der ganzen Ablenkung habe ich bis jetzt (zum Glück) auch noch kein Heimweh. Ich bin so froh, dass ich noch 10 Monate vor mir habe und nicht jetzt schon alles vorbei ist! Ich will hier noch so viel mehr vom Land sehen, in Chile meine damalige Gastfamilie besuchen, mehr Leute kennenlernen, Weihnachten im Sommer feiern, Meerschweinchen essen, fließend Spanisch sprechen, richtig Salsa tanzen können, den Schülern mehr Englisch beibringen, Silvester 7 Stunden später als in Deutschland feiern und noch ganz viel mehr!
In meinem Zimmer hängt eine Collage mit vielen Bildern von meinen Freunden aus Deutschland und im Supermarkt gibt es zum Beispiel Blaukraut, Schwartau Marmelade, Nutella und Sauerkraut zu kaufen. Diese Artikel und die Bilder in meinem Zimmer lassen mich sehr oft an Deutschland denken, aber dann sehe ich neben den deutschen Gläsern peruanische Sachen, die mich daran erinnern lassen, dass ich im Moment hier in Peru lebe.
Letzten Freitag fand der Geburtstag meiner Schule statt. Die Schüler tanzten typische Tänze zu peruanischer Musik. Alle waren typisch peruanisch gekleidet, es wurden Gedichte vorgetragen und gesungen. Am Tag davor gab es einen kleinen Laternenumzug. Anschließend war es die Aufgabe von Katharina, Sabrina und mir, die 10 schönsten Laternen auszuwählen, was nicht gerade einfach war.



 

Schüler mit ihren Laternen


Dienstag, 13. September 2011

Von der Schülerin zur Lehrerin

Kaum bin ich aus der Schule draußen, stehe ich selbst an der Tafel und unterrichte Englisch. Ohne Studium und praktische Erfahrung heißt es nun für mich, Schülern im Alter von 9-11 Jahren Englisch beizubringen. Hinzu kommt, dass ich alles auf Spanisch erklären muss und Wörter vom Spanischen ins Englische und andersrum übersetzen muss, was mich manchmal ganz schön nachdenken lässt.
Jetzt kann ich mich auch nicht mehr einfach in den Unterricht setzen und mich berieseln lassen. Ich muss den Unterricht vorbereiten, mir überlegen, was ich den Kindern beibringen will und wie ich das am besten anpacke.
Ich habe Glück, denn in meiner Schule besteht eine Klasse maximal aus 11 Schülern. So kann ich auf jeden Einzelnen eingehen und habe nicht so viele Hefte zu korrigieren ;-)
Außerdem freut es mich, dass die Schüler so scharf darauf sind, Englisch zu lernen. In der Pause fragen sie mich, ob ich ihnen Wörter oder Sätze ins Englische übersetzen kann. Einmal war ich in einer Klasse und als der Lehrer für ein paar Minuten weg musste, kamen ein paar Kinder auf mich zu und fragten, ob ich Englisch unterrichten könnte. Ich erklärte ihnen, dass der Lehrer gleich wieder kommen würde, aber sie wollten unbedingt, dass ich ihnen die Zahlen von 1-5 beibringe. Also schrieb ich die Zahlen in Spanisch, Englisch und in Lautschrift an die Tafel und als der Lehrer zurückkam, hatten alle meinen Tafelanschrieb in ihren Heften stehen.

Meine erste richtige Arbeitswoche…

… die ich erst einmal zu Hause verbrachte, da ich krank war.
Jetzt ist das zum Glück schon eine Weile her und ich konnte mit dem Englisch unterrichten beginnen.
Mein Arbeitstag beginnt um 6:40 Uhr, da ich um 8 Uhr in der Schule sein muss und dort hin eine halbe Stunde mit dem Combi brauche. Es gibt hier viele verschiedene Combis, die meistens einem VW Bus ähnlich sind. Um mitzufahren, stellt man sich einfach an den Straßenrand, gibt ein Handzeichen und steigt ein. Wenn man aussteigen will, ruft man „Baja!“, zahlt seine 70 Centimos, was umgerechnet gerade einmal ­­17,5 Cent sind und steigt aus.

Combis in La Mansión

Sobald ich das Schulgelände betrete, werde ich mit Küsschen und Umarmungen begrüßt. Da ich jetzt meinen eigenen Stundenplan habe, gehe ich in eine der zwei Klassen, die ich unterrichte. Ich unterrichte nur die vierte und fünfte/sechste Klasse. Zusätzlich zum Englisch Unterricht unterstütze ich die Lehrerinnen und den einzigen Lehrer, indem ich zum Beispiel einzelnen Schülern bei ihren Aufgaben helfe. Ich fühle mich so sehr wohl in meiner Schule! Die Lehrerinnen sagen mir täglich, dass sie wie eine Familie sind und ich mich bei Problemen immer an sie wenden kann. Außerdem freue ich mich, jeden Tag die Kinder zu sehen und mich mit ihnen zu unterhalten. Bei den Schülern habe ich das Gefühl, einfach Spanisch reden zu können, ohne nachdenken zu müssen und trotzdem verstanden zu werden.

Formation
Bevor der Unterricht beginnt, gibt es eine Formation, wo sich alle draußen auf dem Schulhof versammeln. Es werden Gedichte vorgetragen, Witze erzählt und Lieder gesungen bis nacheinander alle Schüler klassenweise in ihre Klassenzimmer gehen und mit dem Unterricht beginnen.


mein Stundenplan


Sonntag, 4. September 2011

Ich bin glücklich...

...weil ich bei einer super Familie wohne, in der ich mich so sehr wohl fühle! Wir kochen zusammen, gehen Essen, ich bekomme wichtige Ratschläge und werde rundum versorgt, wenn ich krank bin.
...weil hier jeden Tag die Sonne scheint und man deshalb einfach immer gute Laune hat.
...weil ich mich in meiner Schule so wohl fühle! Jeden Morgen werde ich von den Schülern mit Umarmung und Küsschen begrüßt und zum Teil gar nicht mehr losgelassen.

...weil ich dreimal die Woche zum Salsa gehe und es so viel Spaß macht, jedes Mal einen neuen Schritt dazu zu lernen.


...wenn aus meiner Dusche (lau)warmes Wasser kommt.
...wenn das Internet meiner Gastfamilie funktioniert.
...wenn ich Neuigkeiten aus Deutschland erfahre.
...wenn ich gut von einem Ort zum anderen komme und in ein sicheres Taxi gestiegen bin.
...wenn ich die Schüler auf dem Pausenhof tanzen üben sehe.
...wenn die Kinder im Comedor ihre Teller leer essen und danach selbstständig ihre Zähne putzen.
Was mich nachdenklich macht…
...sind die armen Menschen, die man auf den Gehwegen schlafen sieht.
...sind die Kinder/Jugendlichen, die Eis verkaufen oder während roten Ampeln Kunststücke auf der Straße vorführen.
...ist der Mann, der sich immer im kalten Fluss wäscht.
...ist, dass ich neben den tiefgefrorenen Pommes tiefgefrorene Schweinefüße finde.
...ist, dass das Fleisch ungekühlt und ohne Spuckschutz angeboten wird.
...ist, dass man immer sein Geld auf Falschgeld überprüfen sollte.

Ich bin glücklich, weil es für mich bis jetzt die richtige Entscheidung war, nach Perú zu gehen.


   

        


Sonntag, 28. August 2011

Rot Weiß Rot

Das sind die Farben der peruanischen Flagge. Rot steht für das Blut, das für die Unabhängigkeit vergossen wurde, Weiß für Frieden und Gerechtigkeit. Geht man durch Arequipa, sieht man zahlreiche Flaggen auf den Dächern der Häuser. Auch die Klassenzimmer meiner Schule sind in den Farben Rot und Weiß geschmückt. Inzwischen sind die Ferien vorbei und ich besuche vier Mal die Woche, von Montag bis Donnerstag, den Unterricht.
Bis jetzt habe ich noch die Möglichkeit, mit den Lehrerinnen mitzugehen, um das Unterrichtsgeschehen zu beobachten und die Schüler kennenzulernen. In Zukunft werde ich nicht nur die Kinder in Englisch unterrichten sondern auch die Lehrerinnen. Jeden Tag fragen mich die Schüler, wann ich endlich anfange zu unterrichten und dass sie auch ein bisschen Deutsch lernen wollen. Freitags arbeite ich im Comedor, der Schulküche in La Mansión.

Rot Weiß Rot waren auch die Farben meines linken Oberarms. Am vergangenen Wochenende machte ich mit vier deutschen Freunden eine Trekkingtour durch den Cañon de Colca.
Bepackt mit unseren Rucksäcken ging es in der Nacht von Freitag auf Samstag bereits um 2 Uhr los. Einige Stunden später erreichten wir per Bus den Mirador Cruz del Condor. Von dort aus hatten wir einen super Blick auf die Schlucht und sahen Condore.
Ein paar Minuten später erreichten wir den Ort, an dem unsere Tour durch den Cañon del Colca startete. Die Sonne schien, es war sehr warm und allein beim Anblick des Weges, wollte ich auf der Stelle umdrehen und mit dem Bus zurück fahren.
Nach kurzer Zeit, konnten wir weit unter uns eine Oase mit Pools sehen - unser Tagesziel! Davor hieß es jedoch, sieben Stunden lang 17 km bergauf und bergab zu gehen. Nach dem Überqueren des Flusses namens Colca wurde es ziemlich abenteuerlich.
Wir gingen direkt neben dem Abgrund auf sehr schmalen, zum Teil steilen Pfaden und überquerten Brücken, die nicht gerade stabil wirkten, bevor wir durch kleine Dörfer gingen und schließlich müde und geschafft in der Oase ankamen.


Unsere Hütte bestand aus Bambusstäben, vier Betten und keinem Licht. Nach mehrmaligem Überprüfen auf Krabbeltiere in unseren Betten, Schlafsäcken und Klamotten begann eine recht unruhige Nacht für uns. Vor lauter Angst, eine Spinne zu verschlucken, hielt ich ständig einen Finger an meinen Mund. Zudem wurde uns das Einschlafen dadurch erschwert, da wir kurz zuvor auf der Damentoilette einen Skorpion entdeckt haben.




zurück am Plaza de Armas in Arequipa
Morgens um 4 Uhr klingelte der Wecker. Mithilfe von Taschenlampen packten wir alles zusammen und überprüften aufs Neue unsere Sachen auf irgendwelche Tiere. Danach startete die letzte Etappe. Die folgenden 8km gingen wir nur bergauf. Nach 1200 geschafften Höhenmetern, unzähligen Wutanfällen, Bedenken, das Ganze nicht zu schaffen und viel Gekeuche, kamen wir nach knapp vier Stunden oben an.
Nach einem Frühstück und kurzen Dorfbesichtigungen konnten wir in einem Thermalbad unsere stark beanspruchten Muskeln ein wenig entspannen, bevor es wieder zurück nach Arequipa ging.


An diesem Wochenende bin ich nicht nur einmal an meine Grenzen gestoßen, trotzdem war es ein unvergessliches und einmaliges Erlebnis und ich bin sehr stolz auf mich und meine zwei Mitstreiterinnen, ohne die ich wahrscheinlich immer noch nicht oben angekommen wäre ;-)

Mittwoch, 10. August 2011

Peru ist nicht Deutschland






mein eigenes Zimmer
Nach zwei Wochen in Arequipa konnten wir endlich unsere richtigen
Zimmer beziehen, da die Gastfamilie mit einer späteren Ankunft von uns rechnete und dann auch noch ein Rohrbruch dazu kam. Übergangsweise wohnten wir in den Zimmern von unseren Gastbrüdern, die sie für uns geräumt hatten. Jetzt haben wir zwei Zimmer auf dem Dach, eigenes Internet, eigene Bäder und eine Dachterrasse mit direktem Blick auf den Vulkan Misti und die Stadt. Nun sind wir hauptsächlich auf uns allein gestellt, weshalb wir erst einmal Dinge wie Putzmittel, Klopapier und Waschmittel einkauften.

Nach einer Sightseeing Tour durch Arequipa, bin ich mir sicher, für längere Zeit hier bleiben zu wollen. Wir besuchten Orte, an denen man den perfekten Blick auf die umliegenden, zum Teil noch aktiven Vulkane hat. Wir machten Fotos mit einem Lama, einem Adler, Einheimischen, vor den Vulkanen, in Parks unter Palmen, genossen die vielseitige Landschaft und sahen den deutlichen Kontrast zwischen reichen und armen Vierteln. Diesen Kontrast erlebe ich hier täglich. Das Haus in dem wir leben befindet sich fünf Minuten von einem Einkaufszentrum entfernt sowie neben einer geteerten und viel befahrenen Straße.



 

   
die Straße, in der sich der
Comedor befindet
Um zum Comedor, der Schulküche, in der wir arbeiten zu kommen, fahren wir mit einem kleinen öffentlichen Bus ca. 20 Minuten bis an den Stadtrand von Arequipa. Dort befindet sich das Armenviertel La Mansión. Die Straße dorthin besteht irgendwann nicht mehr aus Teer sondern aus Steinen und Staub. Wir fahren an Hütten vorbei, die keine richtigen Dächer haben oder sehr klein sind. Die Kinder, die in den Comedor gehen, um dort ein warmes und nahrhaftes Essen zu bekommen, wohnen zum Teil in solchen Hütten. Wenn mir dann auch noch ein kleiner Junge erzählt, dass er so Hunger habe, weil er seit einem Tag nichts mehr gegessen habe und man in seinem Haus nicht so viel essen würde, wird es mir ganz anders. In Deutschland ist das alles kaum vorstellbar.
  
im Comedor



Peru ist nicht Deutschland. Das stelle ich immer öfter fest. Zwar ist Arequipa ziemlich modern, trotzdem fallen mir Dinge auf, die in Deutschland unmöglich oder sogar verboten sind. Die Autos und Busse stoßen zum Teil sehr starke und schwarze Abgase aus und in den meisten Haushalten wird kaum Müll getrennt. Straßenschilder werden oftmals ignoriert, denn zur Verständigung hat jedes Auto eine Hupe. An beinahe jeder Straßenecke wird Obst, Gemüse oder andere Nahrungsmittel angeboten. Auf den Märkten bekommt man Fleisch, das nicht gekühlt wird und im Supermarkt werden Brote offen, ohne den sogenannten Spuckschutz, angeboten. Trotz allem gefällt es mir hier sehr gut! Es fällt mir einfach, mich immer mehr an den peruanischen Lebensstil zu gewöhnen. Inzwischen komme sogar ich, obwohl ich immer pünktlich bin, zu spät, schnalle mich im Taxi nicht mehr an und störe mich nicht an meinem Klo ohne Klobrille oder dem fehlenden Spiegel im Bad.

Sonntag, 7. August 2011

Erste Eindrücke

Ich bin gut in Perú angekommen und wurde sofort herzlich in meiner Gastfamilie aufgenommen. An meinem ersten Tag in Arequipa, wurde ich als Miss Carolin(a) in meiner Schule vorgestellt. Obwohl einige Schüler keine Eltern mehr haben oder mit wenig finanziellen Mitteln auskommen müssen, versprühen sie trotzdem so viel Lebensfreude, was mich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Wenn sie mich sehen, werde ich sofort mit Umarmung und Küsschen begrüßt. Dasselbe erlebe ich täglich bei meiner Gastfamilie, den Lehrerinnen und den Leuten, die ich Tag für Tag kennenlerne. Durch diese offene und einfühlsame Art fühle ich mich hier so sehr wohl.
Meine Gastfamilie ist super! Sie zeigt mir jeden Tag mehr von Arequipa, kocht leckeres und gesundes Essen, nimmt mich mit zum Sport und hat viel Geduld mit meinem Spanisch. Inzwischen kann ich sogar schon ein bisschen Salsa tanzen und weiß, mit welchem Taxi ich fahren darf und mit welchem nicht.

Seit meiner Ankunft werde ich super integriert. Sowohl in der Familie als auch in der Schule sowie in meiner Freizeit. Schon am dritten Tag wurde ich von meiner Direktorin zum Gottesdienst mit anschließendem Umzug eingeladen, wo ein paar Schüler mit Flaggen marschierten.
Zusammen mit unserer Gastfamilie erkundeten wir schon ein wenig Arequipa: Wir trafen zum Beispiel auf Einheimische mit typischer Tracht, hatten einen Ausblick auf den Vulkan Misti oder besuchten die Plaza de Armas bei Nacht.